Sebastian Holtzhauer

German Scholar of Medieval Language and Literature

Schlagwort: Navigatio Sancti Brendani abbatis

Publikation: St. Brandan in europäischer Perspektive

Am 10. Oktober 2022 erscheint der Sammelband zur internationalen und interdisziplinären Tagung „Brandan in europäischer Perspektive. Wandel textueller und bildlicher Repräsentationen eines Heiligen im Kontext / Brendan in European perspective. Changing textual and pictorial representations of a saint“, die am 5. und 6. September 2019 an der Europa-Universität Flensburg stattfand.

Vita und Abenteuer des irischen Seefahrerheiligen Brendan (dt. Brandan) sind Jahrhunderte lang in Europa erzählt, um- und weitergeschrieben worden. Die Beiträge des Bandes – Ergebnis einer internationalen Brandan-Tagung in Flensburg – gehen der Transformation der Figur nach. Namhafte Forscherpersönlichkeiten untersuchen zahlreiche Phänomene und Kontexte der Brandan-Tradition: Querverbindungen zu keltischen Erzählungen; die Verortung der Brandan-Inseln in der Kartografie; motivische, mediale und kommunikationsgeschichtliche Aspekte wie die Zaumdieb-Episode, die Bildprogramme der Handschriften und Drucke, die Dialoge des Heiligen mit seinen Mönchen, die Grundlagen der Legende in der Handschriftenkultur des Mittelalters und die klösterlichen Lesepraktiken sowie den Komplex der umfangreichen Brandan-Bildzeugnisse.

ENGLISH VERSION: The life and the adventures of Brendan – seafaring saint from Ireland – have been told, rewritten and re-narrated in Western Europe for centuries. The contributions in this volume, result of an international Brendan conference in Flensburg, explore the transformation of the figure in a multiperspective way. Renowned scholars examine multiple phenomena and contexts of the Brendan tradition: cross-connections to Celtic narratives; the location of the Brendan Islands in cartography; aspects of narrative motifs, mediality, and communication history such as the bridle-thief episode, the pictorial programmes of the manuscripts and prints, the saint’s dialogues with his monks, the foundations of the legend in the manuscript culture of the Middle Ages and monastic reading practices, as well as the complex of widespread pictorial testimonies.

Buchcover (Quelle: https://www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com/detail/index/sArticle/57826)

Katalogisierte kartäusische Spiritualität. (An)Ordnungen mystischen und visionären Schrifttums in den Bibliothekskatalogen süddeutscher Kartausen

Der Beitrag „Katalogisierte kartäusische Spiritualität. (An)Ordnungen mystischen und visionären Schrifttums in den Bibliothekskatalogen süddeutscher Kartausen“ von Sebastian Holtzhauer ist nun im Sammelband „Mystik unterwegs. Theologia mystica und revelationes in Kartäusischen Händen“ (hrsg. von Marieke Abram, Susanne Bernhardt, Gilbert Fournier und Balázs J. Nemes.; Miscellanea Neerlandica 49, Studia Cartusiana 7) erschienen.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes eint das Interesse am Thema ‚Kartäuser und Mystik‘, das exemplarisch und vor einem breiten europäischen Horizont behandelt wird. Sie alle verbindet ein dezidiert historischer Zugang zum gewählten Thema, der mit einer Fokussierung auf diejenigen kartäusischen Kontexte einhergeht, die sich als Knotenpunkte der Produktion, Rezeption und Distribution von mystischen Texten erwiesen haben. Gemeinsam ist ihnen außerdem die Frage, wie sich mystische Interessensschwerpunkte in einzelnen Kartausen bzw. bei einzelnen Kartäusern herausbilden und beschreiben lassen, wobei der zeitliche Schwerpunkt – sieht man von je einem Abstecher ins Hochmittelalter und in die Neuzeit einmal ab – auf dem Spätmittelalter liegt. Nachgezeichnet wird demnach, wie Mystik im Kartäuserorden ‚unterwegs‘ war. Doch nicht nur das: Mehrere Beiträge sind selbst unterwegs zu einer Definition von Mystik, jedenfalls reflektieren sie die (forschungs-)geschichtlichen Hintergründe des Begriffes und seinen heuristischen Nutzen für die Konstituierung eines speziellen Corpus von Texten.

InhaltsZusammenfassung des Sammelbandes (Quelle: Verlagsseite)

Jenseits des Diesseits – Ein Beitrag zur Narration und Narrativierung von Zeit(enthobenheit)

Soeben ist das Themenheft 9 der Beiträge zur mediävistischen Erzählforschung (BmE) zum Thema ›ZeitRahmenÜberschreitungen im vormodernen Erzählen‹ erschienen, herausgegeben von Amelie Bendheim und Martin Sebastian Hammer. Darin findet sich ein Beitrag von Sebastian Holtzhauer, der der Frage nachgeht, wie die differenten Zeitvorstellungen von Diesseits und Jenseits in der lateinischen Navigatio sancti Brendani abbatis und deren deutschen Übersetzungen sowie im Mönch Felix erzählt werden. Textüber- greifend werden intra- wie extradiegetische ›Rahmenüberschreitungen‹ bewusst eingesetzt, um Übergänge zwischen Raum-Zeit-Kontinuen darzustellen. Innerhalb der Erzählwelt kommen Anomalien zum Tragen, die sich zum Teil auch auf die Welt der Rezipierenden erstrecken. Diese Transgressionen kommen einerseits durch das lateinische Tempussystem (Navigatio) zustande, andererseits durch aktualisierende Umarbeitungen, die das Geschehen in einem ganz bestimmten Kloster verortet wissen wollen (Mönch Felix).

Das Titelbild stammt von Pete Linforth und steht zur freien kommerziellen Nutzung auf Pixabay bereit (online).

Tagung „Brandan in europäischer Perspektive. Wandel textueller und bildlicher Repräsentationen eines Heiligen im Kontext / Brendan in European perspective. Changing textual and pictorial representations of a saint“, Flensburg (5. und 6. September 2019)

Ort: Europa-Universität Flensburg, Gebäude Helsinki, Auf dem Campus 1a, D-24943 Flensburg (R. 164 / R. 165)

Die lateinischen und volkssprachlichen Geschichten um den irischen Seefahrerheiligen Brendan(us)/Brandan(us) (ca. 483 bis 575 n. Chr.) verbreiteten sich im Mittelalter wie ein Lauffeuer. Ihre Faszination hielt bis weit in die Frühe Neuzeit an und wirkt bis in die Gegenwart hinein. Immer wieder forderte der irische Abt große Denker und Entdecker wie Vinzenz von Beauvais, Christoph Kolumbus und nicht zuletzt auch Umberto Eco zu einer intensiven Beschäftigung mit ihm und seinen literarisch geschilderten Erlebnissen um die Entdeckung der terra repromissionis sanctorum, der Insel der Seligen, heraus. Seine Geschichten finden sich in vielen Sprachen mehr oder weniger frei übersetzt oder auch dichterisch anverwandelt. Im Mittelalter sind neben den inzwischen über 140 bekannten Handschriften der lateinischen Navigatio sancti Brendani abbatis auch Übersetzungen, Adaptationen und andere Arten der Translation in unzähligen europäischen Volkssprachen erhalten, darunter auf Anglo-Normannisch, Altnordisch, Italienisch, Katalonisch, Mittelniederländisch sowie Mittel- und Niederdeutsch. Aus literatur- und kulturgeschichtlicher Perspektive hat man es mit recht unterschiedlichen Transfer- und Adaptationsprozessen sowie einer auch für die Vormoderne erstaunlichen Intermedialität zu tun. Mit der Verbreitung von Irland aus über einen Großteil des westeuropäischen Kontinentalfestlands und dem allerorts parallel verlaufenden Wechsel von der Gelehrtensprache in die Volkssprachen gehen auch Phänomene wie ein sich wandelndes Zielpublikum sowie veränderte geistes- und sozialgeschichtliche Kontexte einher; räumliche Aspekte sind genauso betroffen wie sprachliche, soziale und mediale. (Vor)gelesen wurden Brandan-Geschichten seit dem Hochmittelalter nicht mehr nur in Klöstern, sondern auch an Fürstenhöfen; im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit zunehmend auch in den Bürgerhäusern der Städte sowie im Kreis von Handwerkern und Seefahrern.

Um diesen komplexen Prozessen wissenschaftlich adäquat zu begegnen, muss man sich vielfältigen strukturellen und methodischen Problemen stellen. Ziel der durch die Fritz Thyssen Stiftung geförderten Tagung ist es daher, den Überlieferungskomplex um den Seefahrerheiligen unter inter- und transdisziplinärer Perspektive und aktuelleren theoretischen Vorzeichen zu behandeln. Das Hauptaugenmerk gilt dabei dem in neuerer Zeit in der Mediävistik und Frühneuzeitforschung so bedeutsamen Forschungsparadigma der (Re-)Kontextualisierung und Intermedialität vormoderner Kulturen, aber auch in der Brandan-Forschung bisher kaum beachteten kultur- und motivgeschichtlichen sowie narratologischen Aspekten. Die Beiträge der Tagung schließen an diese Neuausrichtung der Forschung bewusst an, um sie für eine Neuorientierung der Brandan-Philologie nutzbar zu machen und, mehr noch, eine die philologische Beschäftigung transzendierende, kultur- und medienwissenschaftlich ausgerichtete Erforschung der Brandan-Tradition anzustoßen bzw. die bereits vorhandenen Neuansätze zu bündeln.

Um Anmeldung für die Tagung wird bis zum 01. Juli 2019 gebeten an: sebastian.holtzhauer@uni-osnabrueck.de.

Für Gäste der Tagung können wir auf ein begrenztes Kontingent an Einzelbettzimmern im „Hotel Alte Post“ in Flensburg für die Nacht vom 5. auf den 6. September 2019 zu vergünstigten Bedingungen zurückgreifen (https://www.ap-hotel-flensburg.de). Bitte melden Sie sich bis spätestens zum 1. Juni 2019, wenn Interesse daran besteht, dieses Kontingent in Anspruch zu nehmen.

Weitere Informationen erteilt: Jörn Bockmann (joern.bockmann@uni-flensburg.de).

Bitte beachten Sie, dass die Organisatoren der Tagung nur Vermittler des Angebots sind.

Es fällt für Tagungsgäste eine gesonderte Tagungsgebühr an, mit welcher die Verpflegungs- und weitere Kosten abgedeckt werden:

  • 5.9.2019: 40,00 Euro
  • 6.9.2019: 25,00 Euro

Die Tagungsgebühr ist vor Ort im Tagungsbüro in bar zu entrichten.

Aktuelle Informationen zur Tagung finden Sie auf der Tagungshomepage unter folgender Internet-Adresse: https://www.uni-flensburg.de/germanistik/arbeitsbereiche/germanistische-mediaevistik/brandan-tagung

Jörn Bockmann (Europa-Universität Flensburg), Sebastian Holtzhauer (Universität Osnabrück), den 13.05.2019


Tagungsprogramm / Conference programme

Donnerstag / Thursday, 5. September 2019

ab / from 14.15 Uhr              

Individuelle Anreise / Arrival, Tagungsbüro / Conference Office Europa-Universität-Flensburg, R. 164 / R. 165

15.00–15.30 Uhr       

Begrüßung und Einführung / Welcoming address and introduction:

Grußwort des Vizepräsidenten für Forschung der Europa-Universität Flensburg / Grand opening from the Vice President for Research of the Europa-Universität Flensburg, Prof. Dr. Jürgen Budde

Begrüßung und Einführung durch die Organisatoren / Welcoming address and introduction by the conference organizers

Sektion I / section I: Motivgeschichtliche und narratologische Aspekte / Aspects of motif history and narratology (Moderation: Sebastian Holtzhauer)

15.30–16.30 Uhr

Dorothy Ann Bray (Montreal): When Brendan met Brigit. A Contest of Sea Monsters and Holiness

16.30–17.00 Uhr

Kaffeepause / coffee break

17.00–18.00 Uhr

Christoph Fasbender (Chemnitz): Der Zaumdieb

18.00–19.00 Uhr       

Simone Loleit (Duisburg-Essen): Gebote, Verbote, Warnungen. Brandans Kommunikation mit den Mönchen in Johannes Hartliebs Navigatio-Übersetzung

20.00 Uhr

Abendveranstaltung / evening event:

Vorführung des Films „Flensburger Welt Geschichten“ von Quinka Stöhr und Fredo Wulf in Anwesenheit der Regisseure mit anschließendem Gespräch, Empfang und Buffet im Schiffahrtsmuseum Flensburg / Film presentation „Flensburger Welt Geschichten“ by Quinka Stoehr and Fredo Wulf together with the directors, followed by a discussion, reception and buffet (Flensburg Maritime Museum)

Freitag / Friday, 6. September 2019

Sektion II / section II: Überlieferungskontexte und Medialität / Mediality and contexts of tradition (Moderation: Jörn Bockmann)

9.00–10.00 Uhr

Rossana Guglielmetti (Milano): Reading the Navigatio Brendani in the Middle Ages. Texts and Contexts

10.00–11.00 Uhr

Sebastian Holtzhauer (Osnabrück): Der hl. Brandan in Norddeutschland. Zu den mittelniederdeutschen gedruckten Zeugnissen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

11.00–11.30 Uhr       

Kaffeepause / coffee break

11.30–12:30 Uhr

Andreas Hammer (Köln): Die Bildprogramme der Brandan-Legende in ihrem spätmittelalterlichen Überlieferungskontext

12:30–13.30 Uhr       

Mittagspause / lunch break (Buffet im Gebäude / on-site buffet)  

Sektion III / section III: Kulturgeschichtliche Kontexte / Contexts of cultural history (Moderation: Elke Koch)

13.30–14.30 Uhr

Alessandro Scafi (London): Leaving the Sail Spread and Shipping the Rudder. Saint Brendan’s Island on European Maps

14.30–15.30 Uhr

Clara Strijbosch (Utrecht): Brandans Reisen – ohne Ende

15.30–16.30 Uhr

Katja Weidner (Freiburg i. Br.): Klösterliche Jenseitsimaginationen. Brendans Sitz im Leben

16.30–17.00 Uhr

Abschlussdiskussion und Verabschiedung / Concluding discussion and farewell to the participants


Neuentdeckung zur Brandanverehrung in Lübeck

Der Besuch in der Bibliothek der Hansestadt Lübeck förderte kürzlich einige neue Zeugnisse zum Heiligen Brandan zutage. In drei Heiligenkalendern aus dem 15. Jahrhundert fand sich sein Festtag (siehe die Bilder weiter unten), und im Missale Lubicense (1486), das auch als Digitalisat online steht (Exemplar I.-K. 877 der Bibliothek der Hansestadt Lübeck), ist eine lateinische Brandan-Messe verzeichnet.

Welche literarhistorischen Implikationen mit seiner Verehrung in Lübeck in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verbunden sind, ist demnächst in einem Aufsatz von Sebastian Holtzhauer im Tagungsband zur Tagung „Artus in Stade. Prozesse der Konstruktion und Transformation regionaler Identität im norddeutschen Raum“, die vom 31. Mai bis 2. Juni 2018 im Kloster Wöltingerode stattfand und vom Verbund Mittelaltergermanistik Nord (MGN) organisiert wurde, nachzulesen. Der Titel des Beitrags lautet: „Die mittelniederdeutschen Brandaniana. Eine überlieferungs-, text- und kulturgeschichtliche Untersuchung zum Hl. Brandan und seinen Zeugnissen im norddeutschen Raum des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit“.

Bibliothek der Hansestadt Lübeck, Ms. theol. germ. 8° 33 (15. Jh.), Bl. 3v
Bibliothek der Hansestadt Lübeck, Ms. theol. germ. 8° 48 (15. Jh.), Bl. 4v
Bibliothek der Hansestadt Lübeck, Ms. theol. germ. 8° 56 (Ende 15. Jh.), Bl. 5r

Verlags-Förderpreis 2019

Am 7. März 2019 erhielt Sebastian Holtzhauer für seine Dissertation mit dem Titel „Die Reise eines Heiligen durch Zeit und Raum. Untersuchungen ausgewählter Retextualisierungen des Brandan-Corpus von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert samt einer Edition der Münchener Prosafassung der Reise des hl. Brandan (Pm)“ den auf 1000 Euro dotierten Verlags-Förderpreis der Universität Osnabrück im Akademischen Jahr 2018/2019.

Die Universität Osnabrück vergibt jedes Jahr mehr als 20 verschiedene Förderpreise. Regionale und überregionale Stifter zeichnen dabei herausragende Promotions-, Examens- und Studienleistungen in unterschiedlichen Disziplinen aus. Nominiert werden Förderpreis-Stipendiaten von ihren Professorinnen und Professoren.

Homepage der Universität Osnabrück (Link)
Auszug aus der Broschüre „Förderpreise der Universität Osnabrück im Akademischen Jahr 2018/2019

Weiterführende Links:

Pressemitteilung der Universität Osnabrück zur Preisverleihung

Kurzer Bericht zur Preisverleihung

Zur Homepage „Förderpreise an der Universität Osnabrück“

Download der Broschüre „Förderpreise der Universität Osnabrück im Akademischen Jahr 2018/2019“